BVVA NEWS

11.05.2022

Die örtliche Apotheke ist Garant der Patientensicherheit

BVVA-Jahrestagung 2022 am 10. und 11. Mai 2022 in Mainz

Der Bundesverband der Versorgungsapothker (BVVA) hat seine Jahrestagung zur Bestimmung seiner gesundheits- und berufspolitischen Positionen genutzt und in Einzelsymposien den praxisorientierten Blick auf seine Kernthemen Heimversorgung, Klinikversorgung, Palliativversorgung und Substitutionsversorgung geschärft. Die teilnehmenden Apothekerinnen und Apotheker nutzten die Gelegenheit zur fachlichen Fortbildung, zum kollegialen Austausch und zur Information über innovative Lösungen der zahlreichen Aussteller. Zudem ging es am 10. und 11. Mai in Mainz um Lehren aus der Pandemie und einen Blick in die Zukunft mit 3D-Druck–Technologien als Chancen in der patientenindividuellen Arzneimittelversorgung.

Rechtssicherheit für die sektorenübergreifende örtliche Kooperation in der Arzneimittelversorgung bleibt eine zentrale Forderung des BVVA über die bereits existierenden Regelungen im Apothekengesetz für die Krankenhausversorgung und die Heimversorgung hinaus mit der Möglichkeit von Absprachen und Verträgen in anderen Gebieten der Spezialversorgung von Schwerkranken wie für die Arzneimittelversorgung in der ambulanten Pflege, von Palliativpatienten (SAPV) und in der Substitutionstherapie. BVVA-Vorsitzender Dr. Klaus Peterseim forderte in seinem berufspolitischen Bericht ferner eine Anpassung jener Regelungen, die die Sicherheit der Arzneimittelversorgung beim Verblistern gewährleisten. Die Forderung nach Angabe der Chargenbezeichnung im elektronischen Abgabedatensatz beim eRezept mache das externe Verblistern praktisch unmöglich. Wie seit Jahren bei anderen Themen fordert der BVVA auch hier, endlich Rechtsicherheit für die Abgabe und Abrechnung von verblisterten Arzneimitteln herzustellen.

Einmal mehr machte sich Peterseim für das Regionalprinzip in der Spezialversorgung analog zur Klinik- und Heimversorgung stark: „Die persönlich verantwortete, mittelständisch geführte Apotheke am Ort ist der sicherste Garant dafür, dass das Patienteninteresse jederzeit im Mittelpunkt steht!“ Zwei weitere Forderungen des BVVA: Keine Ausweitung von § 11 Abs. 3 Apothekengesetz auf Arzneimittel zur parenteralen Anwendung und eine gesetzliche Unterbindung von nicht im Patienteninteresse liegenden Versorgungsumsteuerungen unter mittelbarer Trägerschaft Medizinischer Versorgungszentren durch Investoren.

Den Tagungsauftakt bildet ein politischer Impuls, gefolgt von dem berufspolitischen Bericht des Vorsitzenden Dr. Klaus Peterseim. In dem sich anschließenden Fachvortrag freuen wir uns in diesem Jahr auf Prof. Dr. Theo Dingermann vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Goethe Universität Frankfurt am Main, der zu den „Lehren aus der Pandemie“ zu uns sprechen wird.

Thematische Zusammenarbeit mit anderen Verbänden

Zu den 2020 begonnenen Gesprächen des BVVA mit Vertretern von drei weiteren Fachverbänden zur Gründung eines BVVA-Dachverbandes sagte Peterseim, dass man in diesem Frühjahr übereingekommen sei, vorerst individuell themenbezogen zu kooperieren und gegenüber der Politik gemeinsame Positionen jener öffentlichen Apotheken zu entwickeln, die sich neben der Beratung und Abgabe von Arzneimitteln, Medizinprodukten und anderen Gesundheitsprodukten in der Offizin auf weitere anspruchsvolle Versorgungsaufgaben vor Ort spezialisiert haben.

In seinem Vortrag über „Lehren aus der Pandemie“ betonte Prof. Dr. Theo Dingermann vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Goethe Universität Frankfurt am Main - neben spannenden Einblicken in die pharmakologischen Erfolgs- und Misserfolgsstrategien beim Wettlauf der Impfstoffentwickler um den besten Covid-19-Impfstoff - anhand vieler Beispiele den entscheidenden Beitrag der Apotheken zur flächendeckenden Bewältigung der Corona-Krise.

Für die Abschaffung der Nullretaxationen

Tino Sorge, Mitglied des Deutschen Bundestages und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sprach sich vor den BVVA-Mitgliedern per Videozuschaltung für die stärkere Einbindung von Apotheken aus, etwa bei Impfung und Testung. Zur der auch vom BVVA erhobenen Forderung nach Abschaffung der Nullretaxation bemerkte Sorge, formalen Fehlern ohne Konsequenz für die pharmazeutische Versorgung der Versicherten solle mit den vorgesehenen Sanktionen begegnet werden, „nicht jedoch mit einer völlig unverhältnismäßigen Null-Retaxation.“

Auch zur E-Rezept-Übermittlung und Kooperation der Heilberufe nahm der Gesundheitspolitiker eine BVVA-Forderung auf und setzte sich bei der Spezialversorgung dafür ein, den konkreten Weg des E-Rezeptes von der Ausstellung über die Übermittlung zwischen den Heilberufen und die Abrechnung gegenüber den Kostenträgern digital abzubilden. Eine automatische Weiterleitung an Versandapotheken dürfe es aber nicht geben.

Am zweiten Tag des BVVA-Kongresses standen die Satelliten-Symposien zu den vier BVVA-Fachgebieten im Mittelpunkt. Bei der Heimversorgung ging es um die Arzneimittelversorgung von Heimbewohnern als organisationsübergreifendem Gesamtprozess. In der Klininkversorgung standen die Biosimilar-Substitution und die IT-Sicherheit und Digitalisierung im Krankenhaus auf der Tagesordnung. Wissenschaftliche Herausforderungen und der palliativmedizinische Notfall prägten die Themen der Palliativversorgung, während die Teilnehmer des Symposiums zur Substitutionsversorgung das Frankfurter Modell einer Heroin/Diamorphin-Ambulanz beschäftigte.

Zum Abschluss referierten Dr. Jan Henrik Finke, Bereichsleiter Pharma- und Biopartikeltechnik der Technischen Universität Braunschweig, und M. Sc. Marius Tidau zum Thema „3D-Druck – Technologien und Chancen für die Arzneimittelversorgung“. Ferne pharmazeutische Zukunftsmusik ist das nicht, denn neben ersten Pilotprojekten winkt schon der 4D-Druck bei der Digitalisierung der Arzneimittelversorgung, wie beim BVVA zu erfahren war.


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