BVVA NEWS

06.10.2021

Spezialisierte Apotheken rücken zusammen

BVVA will als Dachverband weitere Versorgungsapotheker an Bord nehmen

Die Jahrestagung des Bundesverbandes der Versorgungsapotheker war schon deshalb etwas Besonderes, weil es seit dem Frühjahr 2019 coronabedingt keine mehr gegeben hatte. Der BVVA-Vorsitzende Dr. Klaus Peterseim konnte am 5. und 6. Oktober in Mainz ein umfangreiches Programm, ein volles Haus mt 150 Mitgliedern und Gästen und die Präsentation von 33 Ausstellern pharmazeutischer Unternehmen vorstellen.

Der Verband hat sein traditionelles Aktionsfeld für die klinik- und heimversorgenden Apotheken bereits 2018 um die Bereiche Palliativ- und Substitutionsversorgung erweitert. Nun will der BVVA als Dachverband weitere Themenbereiche der spezialisierten öffentlichen inhabergeführten Apotheken vor Ort bündeln: Die Versorgung von Hämophilie-Patienten, die Versorgung mit Cannabis-Arzneimitteln und die Betreuung von HIV- und Hepatitis-infizierten Patienten. Seit November 2020 gibt es Gespräche mit Vertretern der entsprechenden Verbände VHA, VCA und der DAHKA um die politische, rechtliche und wirtschaftliche Schlagkraft der spezialisierten Apotheken gemeinsam zu stärken. Die BVVA- Mitgliederversammlung machte den Weg dorthin durch eine Satzungsänderung frei, nachdem sich die drei potentiellen künftigen Partner vorgestellt hatten.

Der BVVA will die klassische öffentliche Apotheke stärken und muss sich nach den Worten seines Vorsitzenden Peterseim insbesondere neuen Themen wie Telemedizin, Telepharmazie, eRezept, eMedikationsplan und überhaupt den neuen Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung stellen. Rechtssicherheit für die sektorenübergreifende Vor-Ort-Kooperation in der Arzneimittelversorgung will der BVVA über die Krankenhausversorgung und die Heimversorgung hinaus auch für die Arzneimittelversorgung in der ambulanten Pflege, der Versorgung von Palliativpatienten und in der Substitutionstherapie erreichen. Beim digitalen Medikationsplan forderte Peterseim, dass die spezialversorgende Apotheke grundsätzlich, solange der Patient dies nicht ausdrücklich ausschließt, Zugriff darauf erhält, weil sonst keine Aktualisierung und kein Medikationsmanagement im Sinne der Versicherten möglich sei.

Vorstand um Dr. Klaus Peterseim einstimmig wiedergewählt

Ausrichtung und Politik des BVVA fanden die Bestätigung der Mitglieder in der einstimmigen Wiederwahl des Vorstands bis zum Ablauf der turnusmäßigen Amtszeit im Mai 2023. An der Spitze bleibt Dr. Klaus Peterseim (Dom-Apotheke in Essen). Ihm zur Seite stehen als stellvertretende Vorsitzende weiterhin Karl-Heinrich Reimert (Marien-Apotheke in Göttingen) und Achim Gondermann (Neue Amtsapotheke in Bad Camberg). Michael Marxen (Kronen-Apotheke in Wesseling) wurde als Schatzmeister, Christian Suter (Falken-Apotheke in Gründau) als Schriftführer wiedergewählt.

Erwin Rüddel, in Rheinland-Pfalz direkt wiedergewählter Bundestagsabgeordneter der CDU und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des noch amtierenden 19. Deutschen Bundestages, war einmal mehr zu den Versorgungsapothekern gekommen. Er schloss nicht aus, dass es „trotz der Performance unserer Führungsmannschaft“ noch ernsthafte „Jamaika“- Verhandlungen über eine Regierungskoalition von CDU/CSU, Grünen und FDP geben könne. Die Einführung einer einheitlichen Bürgerversicherung unter Abschaffung der privaten Krankenversicherung sei in einer solchen Koalition sicher nicht zu befürchten.

Rüddel: Im Gesundheitswesen gibt es viel zu tun, und im März ist Corona vorüber

Im März 2022 erwartet Rüddel das Ende der Corona-Pandemie, wenn auch viele Kinder und Jugendliche geimpft sein werden. Im Gesundheitssystem gebe es für den nächsten Bundestag viel zu tun, sagte Rüddel und nannte als Themen die Aufgabenteilung durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz, aber auch durch Grippeimpfung in Apotheken, eRezept, Krankenhausreform mit mehr Spezialisierung angesichts der Unterfinanzierung, Bezahlbarkeit des Gesundheitssystems, bessere Patientensteuerung, mehr ambulante Versorgung und Krankenhaus-Bettenabbau.

In drei Satelliten-Symposien beschäftigten sich die Teilnehmer mit den aktuellen Entwicklungen in den Fachgruppen. Hier standen Themen rund um die Digitalisierung im Vordergrund, aber auch Probleme der Finanzierung. Der Workshop-Charakter dieser Veranstaltung, aber auch der persönliche Ausstausch sorgen dafür, dass jeder Teinehmer für sich konkrete Handlungsoptionen erkennen kann, die in der eigenen Apotheke umgesetzt werden können.

Im Abschlussvortrag befasste sich der Jurist Florian Giermann, Key Account Manager der Noventi Healthcare GmbH, mit dem elektronischen Rezept in der Spezialversorgung. Dass es ab Januar 2022 wie vorgesehen zum Einsatz kommt, schien ein Großteil der versammelten Versorgungsapotheker zu bezweifeln, Giermann allerdings nicht.

Für die neue Geschäftsführerin Rechtsanwältin Christiane Müller, die seit Anfang 2021 die gemeinsame Geschäftsstelle des BVVA und des Verbands der Zytostatika herstellenden Apothekerinnen und Apotheker (VZA) e.V. in Berlin leitet, war es die erste Jahrestagung in persönlicher Präsenz. Sie wurde ebenso herzlich begrüßt wie ihr Vorgänger Dr. Rötger von Dellingshausen, der nach zehn Jahren als Geschäftsführer beider Verbände mit einer ausführlichen Laudatio verabschiedet wurde. Insgesamt 44 Jahre einschließlich seiner Tätigkeit für den Apothekerverband Westfalen-Lippe und damit einen Großteil seines Lebens hat Dr. Rötger von Dellingshausen den Apotheken, deren Inhabern und der wohnortnahen pharmazeutischen Versorgung der Bevölkerung gewidmet.

Pressekontakt

Christiane Müller

Geschäftsführerin, Syndikusrechtsanwältin

Tel.: 030 – 847 121 62

Fax: 030 – 847 121 63

mueller@bvva.de


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