PALLIATIVVERSORGUNG

Die ambulante Arzneimittel-Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen konnte in den vergangenen Jahren erheblich verbessert werden. Die Notfallbevorratung in Apotheken wurde erweitert, Hospiz und Einrichtungen der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) halten für den unvorhersehbaren, dringenden und kurzfristigen Bedarf ihrer Patienten einen Notfallvorrat bereit und in palliativmedizinischen Krisensituationen dürfen Ärzte unter bestimmten Umständen Betäubungsmittel überlassen.

Diese Erfolge will der BVVA in der Zukunft fortsetzen. Die Arzneimittelversorgung von Palliativpatienten muss überall in der Fläche sichergestellt werden. Dabei ist es zentrale Aufgabe der Palliativmedizin, die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen durch eine routinierte, vorausschauende Symptomkontrolle zu erhalten. Dazu gehört auch, vermeidbare Notfallsituationen mit all ihren Begleitumständen auszuschließen, was dank einer professionellen Versorgung im Vorfeld möglich ist.

Die BVVA-Fachgruppe Palliativversorgung

In dieser Fachgruppe sind Experten aus den auf Palliativversorgung spezialierten Apotheken innerhalb des BVVA organisiert. Die Fachgruppe befasst sich mit den bestehenden Herausforderungen im Regelbetrieb der Palliativversorgung und der Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung der Patienten.

Forderungen der Fachgruppe Palliativversorgung BVVA

  • Einbeziehung der Apotheken in die SAPV-Verträge unter gesonderter Vergütung der Sicherstellung der Versorgung und Logistik zum Patienten
  • Ermöglichung eines Versorgungsvertrages mit dem SAPV-Team oder Palliativnetz, etwa durch eine Regelung analog zu § 12a Apothekengesetz (Heimversorgungsvertrag)
  • Aufnahme der Palliativversorgung in die Ausnahmen gem. § 11 Abs. 2 ApoG entsprechend der sterilen onkologischen Versorgung
  • Erhöhung der Pauschale für Betäubungsmitteldokumentation von 0,26 EUR auf 3,00 EUR
  • Vergütung der Abgabe aller Rezepturen mit dem normalen Abgabeaufschlag von 8,35 EUR

Aufgaben der Apotheken im Regelbereich der Palliativversorgung

Die Aufgaben der Apotheken bei der kontinuierlichen ambulanten Versorgung von Palliativpatienten sind vielfältig und gehen über die reine Vorhaltung von Notfall-Medikamenten im Nacht- und Notdienst hinaus:

Medikationsprüfung auf:

  • Wechselwirkung
  • Kompatibilität von Parenteralia

Arzneimitteltherapie zur Symptomkontrolle:

  • Vorhaltung aller benötigter Arzneimittel
  • Arzneimittelberatung zur Symptomkontrolle, insb. wenn keine zugelassenen Arzneimittel zur Verfügung stehen (mögl. Wirkstoffe, Dosierungen, wissenschaftliche Datenlage)

Beratung zur Subcutangabe von Arzneimitteln

  • Verträglichkeit
  • Resorption
  • Wissenschaftliche Datenlage

Klinische Ernährung:

  • Berücksichtigung palliativmedizinischer Grundsätze
  • Erhalt der Lebensqualität

Parenteralia-Herstellung:

  • Schmerzmittelpumpen
  • Vorhaltung von Medikamentenpumpen
  • Vorhaltung von Medizintechnik

Rezepturen:

  • Dermatika
  • Lösungen zur nasalen/rektalen Anwendung
  • Notfall-Packages
  • Spüllösungen (oral, lokal)

Logistik

  • Patientenversorgung am Krankenbett
  • 24-Stunden-Dienst

Teilnahme an den vorgeschriebenen

  • Fallbesprechungen
  • Qualitätszirkeln

Apotheken in SAPV und AAPV einbeziehen

Angehörige, Pflegekräfte oder Ärzte können sich nicht regelhaft um die Beschaffung der Arzneimittel kümmern. Eine Belieferung der Palliativpatienten außerhalb der normalen Apotheken-Öffnungszeiten stellt eine weitere Herausforderung dar. Die Fachgruppe Palliativversorgung fordert daher, dass die Apotheken als feste Kooperationspartner in die bestehenden SAPV-Verträge aufgenommen werden. Den Apotheken sollte für die Versorgung in der Allgemeinen Ambulanten Palliativversorgung (AAPV) eine strukturierte Kooperation ermöglicht werden. Der BVVA fordert daher vom Gesetzgeber, einen Versorgungsvertrag mit dem SAPV-Team oder Palliativnetz schließen zu können, etwa durch eine Regelung analog zu § 12a Apothekengesetz (Heimversorgungsvertrag).

Zertifizierte Palliativ-Versorgungsapotheken

Die Einbeziehung der Apotheke ist an die Erfüllung hoher fachlicher Anforderungen zu binden, um die Leistungsfähigkeit der Versorgungsstrukturen zu optimieren und Patienten, Ärzte / SAPV-Teams, Pflegende und Angehörige qualifiziert zu beraten. Denkbar erscheint eine Zertifizierung als Palliativ-Versorgungsapotheke. Diese Apotheken sollten folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Ein bis mehrere Apotheker/-innen, die durch das Palliativ-Curriculum der Bundesapothekerkammer (BAK) zertifiziert sind.
  • Spezialisierte Lagerhaltung und Arzneimittel/Rezepturherstellung (z. B. Fentanyl-Nasenspray, patientenindividuelle Rezepturen) nach Absprache mit den SAPV-Teams und Palliativnetzwerken.
  • Verpflichtende Versorgung von Patienten, auch durch Botendienst, in den vereinbarten Gebieten der SAPV-Teams und Palliativnetzwerke.
  • Durchgehende Ruf- und Lieferbereitschaft der Apotheke.
  • Pharmazeutisches Schnittstellenmanagement stationär/ambulant und Arzt/Apotheke.

Durch diese zusätzlichen Leistungen bietet die Apotheke einen deutlichen Mehrwert für die Versorgung von Palliativ-Patienten:

  • Starke Vereinfachung der Therapieumsetzung beginnend beim ambulanten Besuch des SAPV-Teams oder AAPV-Arztes beim Patienten bis zum Erhalt des Medikaments.
  • Erhöhung der Therapiesicherheit und Qualität durch die Faktoren Lieferzeitverkürzung und Qualifikation der Apotheker.
  • Sicherheit in der Abgabe der Versorgungsartikel durch enge Zusammenarbeit mit den verschreibenden Ärzten.
  • Einbeziehen des Patientenumfeldes in die Versorgungsstrukturen.
  • Einbindung spezialisierter Palliativapotheker zur Spiegelung der flächendeckenden Versorgung von Patienten durch spezialisierte Palliativärzte.
  • Zeitnahe Versorgung und Therapieumsetzung.
  • Absicherung der Versorgungsräume.
  • Unterstützung der SAPV-Teams in ihren Kernzielen, z.B. Vermeidung von vermeidbaren Krankenhauseinweisungen.
  • Kostengünstigeres Versorgungsverhalten über Rezepturen und pharmaökonomische Kostenanalyse.

Anpassung der Apothekenzuschläge

Notwendig ist die Anhebung der Pauschale für die Abgabe von Betäubungsmitteln von aktuell 0,26 EUR auf 3,00 EUR sowie die Erhebung des Festzuschlags für Fertigarzneimittel von 8,35 EUR auch für die Herstellung von Rezepturen. Diese Anpassung ist in der Arzneimittelpreisverordnung zu verankern.

Anschub durch den Innovationsfonds

Die Einbindung spezialisierter Palliativapotheken in die Palliativversorgung enthält einen sektorenübergreifenden Ansatz (ambulante vertragsärztliche Versorgung und Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken) und ist auf eine Verbesserung der Versorgung oder eine Steigerung der Versorgungseffizienz ausgerichtet. Der Aufbau der erforderlichen Strukturen und die notwendige zusätzliche Vergütung der Apothekenversorgung im Palliativbereich könnte daher im ersten Schritt über den Innovationsfonds nach § 92a SGB V abgebildet werden. Hierbei sind verschiedene Vergütungsformen wie Logistikpauschale pro Belieferung, Patientenpauschale pro Monat oder weitere Modelle denkbar.